Aktien, Franken und Co. - «Wir sehen eine Politik am Rande des Abgrunds»

Zyklische Aktien werden abgestossen, sichere Häfen wie der Schweizer Franken oder Gold sind gesucht. Der Juni dürfte ein schwieriger Monat werden. Aktualisiert um 12:58Von Pascal ZügerDer nächste Sturm fegt über die Aktienmärkte hinweg.Der nächste Sturm fegt über die Aktienmärkte hinweg.Bild: pixabay.com

Die Lage an den Finanzmärkten dunkelt sich weiter ein. DerSwiss Market Index( SMI ) verliert am Montag zeitweise fast 1 Prozent, er hat allein in den letzten fünf Handelstagen fast 3 Prozent eingebüsst. Soviel hat der  Dow-Jones-Index  in den USA in derselben Zeitspanne auch verloren.

Es ist vor allem der sich zuspitzende globale Handelsstreit, der die Börsen und die allgemeine Stimmung zunehmend belastet. Einerseits will Trump Mexiko mit Zöllen bestrafen, darüber hinaus wird auch der Ton zwischen USA und China immer rauer. Peking will eine Liste mit "unzuverlässigen" ausländischen Firmen aufstellen.Wie am Sonntag bekannt wurde , wird bereits gegen das US-LogistikunternehmenFedexermittelt. Quasi eine Retourkutsche Chinas wegen den US-Massnahmen gegen Huawei.

"Es läuft auf einen richtigen Handelskrieg hinaus", sagt ein Händler zur Nachrichtenagentur AWP. Anleger befürchten nun ein deutliches Eintrüben der globalen Konjunktur. Die GrossbankMorgan Stanleyerwartet in neun Monaten eine Wirtschaftsrezession, sollte Trump tatsächlich die Zölle von 25 Prozent auf alle chinesischen Güter umsetzen und China entsprechend mit Vergeltungsmassnahmen reagieren.

Rob Mumford, Schwellenland-Fondsmanager bei GAM in Hongkong, beurteilt die Lage laut Bloomberg noch kritischer: "Wir sehen eine Politik am Rande des Abgrunds." Er prophezeit: "Es wird ein schwieriger Monat werden." An den Märkten macht sich am Montag deshalb schon fast eine panikartige Stimmung breit. Das ist in verschiedenen Anlageklassen spürbar. Eine Übersicht:

  • Aktienmärkte fallen

Kaum ein Indikator spiegelt das Sentiment der Investoren so gut wider wie die Aktienmärkte. Und diese bewegen sich, wie Eingangs gesehen, seit einigen Tagen wieder deutlich nach unten. Unter Druck kommen - wie in Phasen von starker Unsicherheit üblich - vor allem zyklische Werte und Bankaktien. Die GrossbankenUBSundCredit Suissegeben am heutigen Montag im Tagesverlauf zeitweise über 2 Prozent nach. Defensive Titel hingegen, etwaNestlé ,SwisscomoderNovartis , halten sich etwas besser als der Gesamtmarkt - sind aber ebenfalls im Minus.

  • Schweizer Franken wird angesteuert

Anleger decken sich mit Franken zu. Im Handelsverlauf am Montag fiel der Euro auf 1.112 Franken - so stark war der Franken zuletzt vor zwei Jahren. Neben den Ängsten um den Handelsstreit hat die jüngste Frankenstärke auch geldpolitische Gründe: Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte am Donnerstag nach ihrer Zinssitzung eine Lockerung der Geldpolitik signalisieren. Das würde den Euro schwächen - und den Aufwertungsdruck des Frankens weiter verschärfen.

Kursentwicklung Euro-Franken in den letzten 52 Wochen, Quelle: cash.ch

Nicht nur der Euro schwächt sich zum Franken ab, auch der Dollar gibt alleine heute 0,45 Prozent nach. Der Greenback rutschte zum Franken unter die Parität auf 0,997 Franken. 

  • Goldpreissteigt

Der Preis für eine Feinunze Gold steigt am Montag bis 1315 Dollar und steht damit auf dem höchsten Stand seit Ende März. In diesem Jahr konnte der Goldpreis knapp 3 Prozent zulegen. Der Rohstoff Gold - der keine Zinsen abwirft - ist bei Anlegern immer dann beliebt, wenn ein Einbruch der Konjunktur befürchtet wird. Denn: Wenn Aktien und andere riskante Assetklassen einbrechen, behält Gold üblicherweise seinen Wert. Wie Jasper Lawler, Anlagechef bei London Capital Group, schreibt, könnte Gold aufgrund der gegenwärtigen Spannung auch schnell bis 1350 Dollar und darüber ansteigen.

  • Anleihenrenditen fallen

Auf der Suche nach sicheren Geldanlagen greifen Anleger auch weiter zu sicheren Anleihen. Dies drückt die Rendite der zehnjährigen Titel der Bundesrepublik Deutschland auf ein Rekordtief von minus 0,216 Prozent. Die Rendite der zehnjährigen Obligation der Eidgenossenschaft sinkt auf minus 0,458 Prozent. Experten von JPMorgan Chase warnen vor einem weiteren Abfall der Renditen.

  • Ölpreisefallen

Auch die Ölpreise haben am Montag die Verluste der vergangenen Woche fortgesetzt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Morgen 62,08 US-Dollar. Das sind 3,7 Prozent weniger als am Freitag. Seit Mitte Mai sind die Preise für US-Öl und für Rohöl aus der Nordsee um jeweils etwa 16 Prozent eingebrochen.